Unser Algarvehund.                                                      Eine Geschichte, die das Leben schrieb.

 

Am Samstag, den 23.05.2015, kommen wir nach unserer schönen Zeit in der Villa bei Santa Barbara auf

Mikkis Camperplatz bei Pera an, freuen uns über all die Blütenpracht und daß unser Lieblingsplätzchen am großen  Naturteich mit Blick in den Garten frei ist.

Er war schon vor uns da, doch wußten weder er noch wir von unserem Glück. 

Wir parken ein und ein großer, etwas struppiger Hund streicht freundlich aber zurückhaltend

um uns herum. Niko würdigt ihn zunächst kaum eines Blickes und wir denken, er gehört

bestimmt zu einem anderen Wohnmobil ...

Doch er blieb in unserer Nähe, suchte sich einen Ruheplatz unter dem kleinen Mandelbäumchen

direkt neben uns und beobachtete unser Treiben...  Das war einfach ein schöner Anblick

und wir mochten den netten Hund.

Seht es Euch  hier doch noch einmal an!

Es folgt ein Spaziergang über den Platz,  wir begrüssen nette Bekannte und müssen schmunzeln,

denn der große Hund folgt uns unauffällig dabei. Doch plötzlich entsteht ein kleiner Aufruhr, es wird ihm

eine Leine umgeschlungen und er soll sogleich zu einer Tierauffangstation gebracht werden.

So erfahren wir, daß er herrenlos ist und seit gestern auf dem Platz herumstreunt. 

Wir sind erstaunt, daß er niemandem gehört, doch bei näherer Ansicht sieht man natürlich, daß er zu dünn ist, viele kleine und größere ältere Verletzungen unter seinem Fell hat, vorne rechts lahmt, und auch sonst einen etwas ungepflegten Eindruck macht.

Doch der Plan, ihn ins Heim zu bringen, scheitert daran, daß es das Pfingstwochenende ist und wir

überlegen nicht lange und bieten an, uns bis Dienstag um ihn zu kümmern.

Die vorangegangene Nacht war wohl für alle Platzbewohner ziemlich anstrengend, da der hoch gewachsene Streuner unterwegs war und unter all den anderen Vierbeinern

große Unruhe ausgelöst hat.

Mit seiner lauten Stimme hatte er sich offenbar keine Freunde gemacht ...

 

Ja, nun hatten wir also einen Pflegehund für 2 Tage und Nächte.

 

 

Er kommt bereitwillig mit uns zum Wohnmobil zurück und es fügt sich alles recht einfach, 

denn er legt sich hin, freut sich über Futter und es fühlt sich an, als habe er 

tatsächlich auf uns gewartet ...

Wir haben noch die Idee, er könne vielleicht einen Chip haben, der die Identifikation

eines Besitzers ermöglichen würde, und so folgt noch am gleichen Abend

ein kleiner Ausflug in Mikkis Transporter zum nahegelegen Tierarzt

mit der Erkenntnis ... es gibt keinen registrierten Eigentümer.

Die Autofahrt war für den Burschen ein äußerst ungewohntes und angsteinflössendes Erlebnis,

aber er liess es über sich ergehen. 

In dieser Situation zeigt er uns erste Seiten seines verträglichen und eher sanften Gemüts :)

Wir richten uns also provisorisch mit ihm ein, beschliessen, ihn unter freiem Himmel nächtigen zu lassen und bereiten ihm ein Lager. So etwas wie eine Decke schien ihm fremd, aber  schon nach wenigen Minuten lernte er die Annehmlichkeit eines weicheren Liegeplatzes schätzen.

Wir binden ihn nicht an und lassen ihn wählen, ob er bleiben möchte oder nicht.

Alle Fenster und die Tür sind weit geöffnet in diesen warmen Nächten, es trennt uns nur die Fliegenschutztüre von ihm und so hören wir, wie er sich des Nachts draußen bewegt

und auch ab und zu anschlägt. 

Unser Nico stimmt (natürlich) mit ein.

Am nächsten Morgen liegt er friedlich auf unserer Matte direkt vor der Tür

und freut sich sehr, daß wir endlich alle wach sind!

Zu viert brechen wir auf zum ersten gemeinsamen Morgenspaziergang. Beide Hunde laufen frei und freuen sich des Lebens. Nico folgt wie üblich seiner eigenen Route, entlang der unzähligen Kaninchenbauten der Algarvelandschaft und der Große folgt ihm immer mal ein kleines Stück, kehrt aber schnell wieder um und orientiert sich an uns.


 

Wir müssen zugeben ... das ist seeeehr angenehm. Nach all den Jahren mit Freigeist Nico

ist es schön, den Hund auch mal an  seiner Seite zu haben :)

Schnell spüren wir, sein Ansinnen ist es, uns alle beisammen zu wissen ...

Er hat Hütergene. Sein Instinkt lässt ihn immer wieder um uns kreisen, er möchte nicht, daß einer, insbesondere Nico, weit vorausgeht und trabt sofort los, um demjenigen "den Weg abzuschneiden". 

Wir beobachten diese Eigenschaft interessiert und spüren auch, wie leicht genervt

unser Einzelgänger Nico darauf reagiert. 

Denn auch er hat seinen absolut klaren Charakter, sicher geprägt durch seine Streunervergangenheit,

als er als Selbstversorger durch die Gegend gezogen ist.

Er lässt sich seinen Weg von einem "Hüter" nicht vorgeben und entwickelt schnell

eine behende Technik, dieser "Bremse" auszuweichen.

So haben die beiden miteinander zu tun und klären die Fronten.

Dies läuft recht stressfrei und eher ausdauernd ab. Keiner wird seiner Aufgabe müde.

Lediglich wenn Nico eine Spur wittert, ganz und gar in seiner Suche aufgeht und

Luke möchte gleichzeitig ein kleines Spielchen, Fangen oder gemeinsam Hopsen, anzetteln,

wird er giftig und zeigt eindeutig seine Zähne und die Grenzen.

Der Große versteht das und bleibt seinerseits völlig ruhig dabei,

widmet sich einfach wieder anderen Dingen.

Diese gelassene, fast schon etwas stoische Art, sichert ein insgesamt gutes Auskommen

der beiden Vierbeiner und bestätigt sich auch in den nächsten Tagen.

Ein Zusammenleben scheint möglich, auch wenn es bei Nico nicht die große Liebe ist.

Zumindest nicht auf den ersten Blick, aber es soll ja auch andere Liebesgeschichten geben ...


 

 

In uns wird die Vorstellung, den Großen bei uns zu behalten, immer lebendiger,

und wir gestehen uns ein, daß der kühne Gedanke schon von Anfang an da war ;)

Die Namensvergabe haben wir allerdings bewußt bis nach der endgültigen Entscheidung aufgehoben,

ein Schachzug, mit dem der kopfgesteuerte Anteil des Menschen versucht,

sich selber zu überlisten.

Diese Geschichte von unserem Algarvehund hat das Leben für uns geschrieben und

uns wieder einmal gezeigt, wie schön es ist, auf sein Bauchgefühl zu hören 

und das Herz entscheiden zu lassen ... nicht den Verstand :)

Ihr kennt bestimmt das Zitat von Goethe, welches auch oft John Lennon zugeordnet wird,

da er es in einem seiner Songs verewigt hat:

"Leben ist das, was passiert, während Du eifrig dabei bist, andere Pläne zu schmieden"

Oft schon haben wir die darin eingebettete Wahrheit erfahren und inzwischen ist es auch unsere geworden, sich von Emotionen und Intuition leiten zu lassen im großen Fluss des Lebens.

So schwimmen wir nun einen Teil unseres Weges zu viert,

denn am Dienstag beschliessen wir:

 Luke soll er heißen, der große Hund mit den Farben der Algarve in seinem Fell.


Manchmal scheint es gar, als habe er einen Tarnmantel an, so sehr verschmilzt er jetzt zu Anfang des Sommers, da das ganze Land der Trockenheit ausgeliefert ist,

mit den braunen Naturtönen der Algarve.

 


 

Unser Wunsch ist es, beiden Tierpersönlichkeiten gerecht zu werden, sie bereichern unser Leben und stellen uns aber auch immer wieder vor neue Aufgaben.

Lukes Hütehundinstinkte lassen ihn natürlich sehr unruhig werden, wenn einer, zwei,

oder gar alle gehen und er bleibt alleine zurück. 

Es liegt ein Trainings-und Gewöhnungsprozess vor uns, das ist uns klar, und oft wird es auch nicht so einfach sein. Nico ist in dieser Beziehung Mr. "total unkompliziert".

Da sind wir schon verwöhnt von ihm, denn er ist klein, handlich, immer sauber, keine noch so feine (Menschen)Nase wird Hundegeruch an ihm wahrnehmen, niemand hat Angst, wenn der kleine süße Struppi kläffend auf ihn zurennnt, er kann völlig unproblematisch viele Stunden alleine bleiben,

wenn es wirklich einmal sein muß und hat sich super an das Autofahren gewöhnt

(ja, er mußte dies in unserem Nomadenleben, auch wenn es nie seine

Lieblingsbeschäftigung werden wird) ...

Aber auch er war zu Beginn unseres Zusammenlebens ein verstörter Tierheimhund,

den keiner haben wollte,  und hat sich durch Gelassenheit, Konsequenz und

Geduld so positiv zu dem liebenswerten Burschen entwickelt, der er heute ist.

Mit Luke steht uns noch vieles bevor, das wissen wir. Beide haben wir aber auch schon

viele Hunde mit und um uns gehabt, (ein Leben mit Hunden ist wunderschön!)

und sehen der Sache realistisch aber entspannt entgegen.

 

Schon jetzt erheitert uns der große Tollpatsch so sehr, wenn er ausgelassen einem Schmetterling hinterherspringt, mit einem häßlichen kleinen Stofftier über die Wiese jagt,

es hochwirft und sich freut, daß es quietscht, wenn er darauf beisst ...

Er hat noch einen ausgeprägten Spieltrieb, kaut und nagt an Hölzern (und Schuhen ;) ) herum und freut sich, wenn Mensch mitspielt und Stöckchen wirft!


 

In nur 2 Tagen hat er verstanden zu apportieren, ohne Mühe, einfach, weil es ihm Spass macht. 

( Bei Nico haben wir nach vielen fruchtlosen Versuchen mit Futtersäckchen und all diesen Utensilien irgendwann aufgegeben. Ihm ging es immer nur um das Futter. Einen Ball holen macht nur ein- oder zweimal Sinn für ihn. Nein,  Sinn macht es gar keinen ;) )

All diese "hundischen" Eigenschaften gehörten nie zu Nico, er ist anders.

Sicher unterscheidet die beiden grundlegend auch das Alter, aber auch

ihre Charakterzüge sind sehr verschieden.

 

So sind wir nun ein buntes Quartett und blicken in eine gemeinsame Zukunft.

 

 

 

 

Weitere Impressionen von Luke ... findet ihr hier.