Der Besuch von Lilly

Letzte Woche war der dia mondial dos animais. Welttiertag. Einen Tag später kam ein kleiner rot-weißer Hund zum ersten Mal am Wohnmobil vorbei. Und verschwand wieder. Am nächsten Tag kam er wieder zurück. Es war ein Feiertag in Portugal. (Auch unser Algarve-Luke kam an einem Feiertag zu uns, Pfingsten2015).

Und ich konnte ihn etwas näher betrachten. Vielleicht ein kleiner Cocker Spaniel, dachte ich, die haben viel langes Deckhaar und das dieses kleinen Hundes war total verfilzt. Ein verwahrloster kleiner Streuner und auf dem Kopf eine große blutende Wunde.

Nico und Luke waren einfach unglaublich. Fast staatsmännisch haben sie das Hundchen aufgenommen. Ich fand heraus, es war eine Hündin. Sie nahm zuerst kein Futter, legte sich einfach in eine Ecke auf den Schlafplatz unserer Hunde und schlief und schlief und schlief. Sie war so erschöpft. Immer wieder schaute ich nach ihr und sie schlief. Ich ging mit den Jungs spazieren und als ich wieder kam, war sie ausgeschlafen und wollte mit Nico und Luke gemeinsam fressen. Die beiden waren wieder mehr als gönnerhaft und es gab nicht den Anflug von Futterneid. Sie ließ sich vorsichtig und zurückhaltend von mir streicheln.

Und weil ich ihren fürchterlichen Zustand einfach nicht ertragen konnte, begann ich, das verfilzte Fell einfach herauszuschneiden. Sie hatte keine Angst und ist fast wieder eingeschlafen dabei. Und es muss eine riesengroße Erleichterung für die Kleine gewesen sein, denn natürlich hatten sich überall stachelige Kletten und kleine Ästchen mit Dornen darin verfangen. Sie wurde an den Ellbogen, wo die Haut besonders empfindlich ist, bei jedem ihrer Schritte von den Dornen gestochen. Ich hatte mich gewundert, warum sie so komisch lief ... Ich richtete also einen dritten Schlafplatz unter dem Vordach ein und die drei Vierbeiner nächtigten einträchtig draußen. Morgens war sie sehr süß, freute sich auch ein bißchen, als ich herauskam. und ging wie selbstverständlich mit uns spazieren. Ihre Kondition dabei wunderte mich, denn sie machte ja einen so verhungerten, kranken Eindruck.

Ich hatte beschlossen, vom Tierarzt nach einem Chip schauen zu lassen. Das hatten wir auch bei Luke gemacht, er hatte keinen. Ich hob das kleine Hundemädchen vorne in den Fußraum unseres Jeeps, sie war offensichtlich schon öfter Auto gefahren. Wie von selber sprach ich sie mit Lilly an, weiß auch nicht, warum. Sie war wie eine kleine Lilly eben. Und es ergab sich ... Lilly hatte einen Chip. Und eine Besitzeradresse in Spanien. In Madrid. Unendlich weit entfernt für so kleine Hundebeinchen. Aber dieser Besitzer Pablo irgendwas war über seine Kontaktdaten nicht zu erreichen. Ich vermute, sie waren veraltet. Meine Nummer wurde aufgeschrieben und ich bekam die Option, Lilly im örtlichen Tierheim abzugeben. Man würde versuchen, den Besitzer zu ermitteln.

Lilly kam natürlich mit mir zurück und wir verbrachten einen harmonischen Tag, wir vier. Abends ging sie wieder mit auf unsere Runde. Ich fand das Bild der drei so verschiedenen Hunde um mich herum schön. Sie vertrugen sich einfach und Lilly blieb immer ganz nah bei mir. Abends legte sie sich nicht auf den Schlafplatz, sondern um die Ecke in den Sand. Dort entstand auch das etwas unscharfe Foto von ihr, das Ihr oben seht. Viele Hunde liegen gerne im Sand, Nico und Luke auch, also nichts Außergewöhnliches. Eigentlich. Ich setzte mich ein wenig zu ihr und sie schaute mit ihren Augen, die zu Beginn so leer und traurig waren und mir jetzt anders erschienen. Ein wenig offener, nicht mehr ganz so traurig, aber sie schauten auch in die Ferne. Das weiß ich jetzt. 

Am nächsten Morgen war ich sehr früh auf den Beinen, schon um 5 Uhr ging ich raus in die Dunkelheit und schaute nach den schläfrigen Hunden. Es waren nur zwei. 

Lilly war nicht mehr da. Ich suchte ein wenig, aber eigentlich war es mir klar. Ja, es war mir klar. Die kleine Hundeseele mußte weiterziehen. Schaut Euch das Bild oben von ihrem letzten Abend an. Kann man es nicht lesen in ihren Augen? Und wie ich diese Worte schreibe, bin ich sehr gerührt. Und ja, auch traurig, das gebe ich zu. Wie schnell man doch sein Herz an einen Hund verlieren kann.

Aber ich habe die Weisheit des Lebens darin erkannt.

 

"Es muß das Herz bei jedem Lebesrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne ... Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde."

 

Zeilen aus Hermann Hesses "Stufen". So habe ich es für mich gehalten, immer, und so soll ein jedes Herz es halten. Schien sie noch so zart und zerbrechlich und wollte ich sie so gerne weiterpflegen ... Sie blieb nicht für die Sicherheit und Zuneigung, die ihr geboten wurde, sie musste ziehen. Es ist ihr Weg, dem sie sich anvertraut. 

Die Dornen werden sie nicht mehr stechen bei jedem Schritt.

Und wißt Ihr was ... ich bewundere sie unendlich, dieses kleine, zarte Lilly mit dem Löwenherz.

 

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"Sag Deinem Herzen, daß die Angst

des Leidens größer ist,

als das Leiden selbst.

Und kein Herz hat jemals

gelitten, wenn es sich

auf die Suche 

nach seinen Träumen

gemacht hat."

 

 Paulo Coelho

 

 

 

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